Farce von George Tabori

Eintrag vom: 12.07.2022 13:15 Uhr

 

Ins Deutsche übertragen von Ursula Grützmacher-Tabori:

In Frau Merschmeyers Heim für die Heimatlosen in der Blutgasse in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohnen die beiden Juden Schlomo Herzl und Lobkowitz.

Schlomo Herzl ist ein Buchhändler, der tagsüber versucht, Bibeln zu verkaufen und abends an seinen Memoiren arbeitet; Lobkowitz ist ein ehemaliger Koch, der sich nun für Gott hält. Eines Tages steht plötzlich ein neuer Mitbewohner vor der Tür. Es ist ein junger Mann aus Braunau am Inn, der hier in Wien an der Akademie nun Kunst studieren möchte. Während Lobkowitz wenig mit dem neuen Gast anfangen kann, kümmert sich Schlomo sichtlich rührend um diesen unerfahrenen und sehr ungehobelten Mann, stutzt ihm den Bart und verpasst ihm mit einem Seitenscheitel das bekannte Aussehen des späteren Adolf Hitler. Auch bringt er den jungen Mann dazu, die Kunst sein zu lassen und es stattdessen lieber mal mit der Politik zu versuchen. Mit folgenreichen Konsequenzen …

Taboris tiefsinnige und bitterböse Farce erzählt vom (un)aufhaltsamen Aufstieg des Nationalsozialismus und seines Führers Adolf Hitler. In einer grotesken Weise wird erzählt, wie Schlomo Herzl vergeblich versucht, die Zerstörungswut, den Größenwahn und Hass Hitlers mit unterwürfiger Nächstenliebe entgegenzuwirken.

In seiner sehr umfangreichen Theaterarbeit setzte sich der Büchner-Preisträger George Tabori (1914-2007) immer wieder mit den Gräueltaten der NS-Zeit auseinander. Stücke wie „Die Kannibalen“, Jubiläum“ und vor allem „Mein Kampf“ werden bis heute oft gespielt und zählen zu den bedeutendsten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Holocaust.

Mein Kampf
Bild: Foto: Annemone Taake

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